Halbturnerstraße 8 / A-7132 Frauenkirchen
Tel: 02172 / 24 04
Alle Kassen und Privat

Montag bis Donnerstag
07:30 - 11:00 Uhr & 14:00 - 17:00 Uhr
Termine am Freitag nach Vereinbarung

PROPHYLAXE und PARODONTOLOGIE

Neben der Zahnkaries ist der Verlust des bindegewebigen und knöchernen Zahnhalteapparates die häufigste Erkrankungsform auf dem Gebiet der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde.

Untersuchungen haben ergeben, dass ab dem 30. Lebensjahr ca. 80 bis 90 Prozent der Bevölkerung davon betroffen sind, ja sogar bei Schulkindern treten in hohem Prozentsatz Zahnfleischentzündungen auf. Die Erkrankung wird vom Laien gern als schicksalhaft betrachtet, und somit wird der Versuch, diese zu heilen, unterlassen.

Prinzipiell muss bei jeder zahnärztlichen Untersuchung auch eine Befundung des Zahnhalteapparates erfolgen, um eine korrekte Behandlung durchführen zu können.

 

1. Wie entstehen Parodontalerkrankungen? 

Parodontalerkrankungen haben wie Karies die Plaque als Verursacher. Ihre Stoffwechselprodukte reizen ständig das Zahnfleisch und führen zur Entzündung.

Faktoren, die bei der Parodontitis oft mitwirken, diese aber nicht verursachen, sind u.a. die Zusammensetzung und Menge des Speichels, funktionelle Störungen im Gebiss, falsche Ernährungsgewohnheiten, schlechte zahnärztliche Versorgungen und verschiedene Allgemeinerkrankungen.

Bei unzureichender Mundhygiene entwickelt sich von der Zahnoberfläche aus ein Belag, der bis in die Zahnfleischfurche reicht. In dieser Plaque entstehen Schadstoffe, auf die das Zahnfleischgewebe mit Entzündungsprozessen reagiert. Die Entzündung führt zu einer Vertiefung der Zahnfleischfurche, zur Ablösung der Befestigungsfasern und somit zur Bildung einer Zahnfleischtasche.

Entzündetes Zahnfleisch ist meist dunkler als gesundes, es schwillt an und neigt zum Bluten. Zähneputzen ist oft schmerzhaft und mit Zahnfleischbluten verbunden, das Putzen wird deshalb häufig eingeschränkt, was wiederum die Entzündung fördert.

Die fortschreitende Entzündung lockert das Zahnfleisch auf, die Zahnfleischfurche wird durch die Schwellung tiefer. Aus der normalen Zahnfleischfurche ist eine Zahnfleischtasche entstanden. In dieser lagern sich nun Speisereste, die selbst bei optimaler Mundpflege nicht mehr beseitigt werden können. Diese Speisereste verfaulen in der Tasche, was oft lästigen Mundgeruch hervorruft.

Die Beläge in der Tasche verkalken und legen sich als Zahnstein bzw. Konkremente am Zahn ab. Zahnstein ist also verkalkte Plaque. Zahnstein haftete fest am Wurzelzement. Diese harten Beläge bieten durch ihre raue Oberfläche mehr Anheftungsmöglichkeit für weitere Bakterien, das Zahnfleisch wird ständig gereizt.

Schließlich erreicht die Zahnfleischtasche eine große Tiefe, die Haltefasern werden zerstört, der Kieferknochen wird abgebaut und der Zahn verliert seinen Halt.

 

2. Was ist Parodontose ?

Jeder Zahn kann seine Funktion nur dann erfüllen, wenn er und sein Zahnhalteapparat gesund sind. Der Zahn sitzt nicht starr in seinem Zahnfach, sondern ist durch Haltefasern zwischen Wurzel und Zahnfach aufgehängt.

Unter dem Begriff "Parodontalerkrankungen" werden entzündliche Veränderungen des Zahnhalteapparates (Parodont) und des Zahnfleisches (Gingiva) zusammengefaßt.

Beschränken sich die entzündlichen Prozesse auf das Zahnfleisch, sprechen wir von Gingivitis (Gingiva = Zahnfleisch), ist auch der Zahnhalteapparat betroffen, sprechen wir von Parodontitis (Parodont = Zahnhalteapparat).

Beides, Gingivitis und Parodontitis, sind durch Bakterien verursachte Infektionen, die sich unterschiedlich rasch weiterentwickeln. Die Bezeichnung "Parodontose" wird meist zu Unrecht für diese Erkrankungen verwendet.

 

3. Woran kann man Parodontalerkrankungen erkennen?

Parodontalerkrankungen sind, ähnlich wie Karies, eine weit verbreitete Erscheinung ca. 80 bis 90 Prozent aller Erwachsenen sind davon betroffen.

Das heimtückische an der Krankheit ist, dass sie oft über Jahre hin schmerzlos verläuft, weshalb sie meist nicht beachtet wird. Erst in späteren Stadien treten unangenehme Erscheinungen wie Zahnlockerung oder Schmerzen auf.

Das erfreuliche ist aber, dass Parodontalerkrankungen immer behandelt werden können.

Auch der Laie kann an einigen Symptomen eine Parodontalerkrankung erkennen. Zahnfleischbluten beim Zähneputzen oder beim Essen ist immer ein Alarmzeichen, ebenso wie dunkel verfärbtes, schmerzendes oder geschwollenes Zahnfleisch.

Langsam entstandene Lücken zwischen einzelnen Zähnen, Wanderung von Zähnen und Lockerung deuten mit Sicherheit auf eine schon fortgeschrittene Parodontitis hin.

Ebenso bedenklich ist der allmähliche Rückgang von Zahnfleisch. Der Zahnarzt sollte auf solche Veränderungen hingewiesen werden. Je früher eine Parodontalerkrankung erkannt und behandelt wird, umso größer sind die Heilungschancen!

Im Seitenzahnbereich, bei den mehrwurzeligen Zähnen, kann es durch den Knochenrückgang zum Freiliegen der Wurzelteilung kommen, was ein zusätzliches Problem bei der Zahnreinigung darstellt (Furkationsbefall).

Wird die Parodontitis nicht behandelt, folgt allmählich die Zahnlockerung. Knochen, der einmal verloren gegangen ist, kommt kaum wieder.

Bei optimaler Behandlung kann Parodontitis aber in jedem Stadium geheilt und zum Stillstand gebracht werden.

Die Hauptsymptome der Parodontitis sind also Entzündung, Knochenschwund, Rückgang der Zahnfleischbefestigung, Zahnfleisch- und Knochentaschen.

Es sind auch hier verschiedene Schweregrade möglich. Die Zahnfleischtasche kann blutig oder eitrig sein, das Zahnfleisch kann anschwellen oder schrumpfen, manchmal gibt es Abszesse in Taschen oder bei freiliegenden Wurzelteilungen (Furkationsabszesse), es kann sich eine Zahnfistel bilden, häufig kommt es durch den Rückgang des Zahnhalteapparates zu Zahnwanderungen, -kippungen oder -lockerungen.

 

4. Behandlung von Parodontalerkrankungen

Um eine exakte Aussage über Art und Schwere der Erkrankung machen zu können, bedarf es zunächst einer genauen Untersuchung. Bei dieser wird mit Hilfe verschiedener Tests und Röntgenaufnahmen ein Parodontalstatus (Zustandsbild) erstellt, der die Taschentiefen, Zahnlockerungen, die Mundhygiene usw. festhält. Dieser Parodontalstatus zeigt, wie weit die Zahnbetterkrankung fortgeschritten ist. Nach der Befundaufnahme kann der Zahnarzt eine Prognose stellen und den Behandlungsablauf planen.

Der Behandlungsablauf hängt neben Befund und Diagnose natürlich auch von den Wünschen des Patienten, von seiner Mitarbeit und seinen finanziellen Möglichkeiten ab.

Das Behandlungsziel von Gingivitis und Parodontitis ist das Beseitigen der Entzündung, das Stoppen des Knochenschwundes und des Verlustes der Zahnfleischbefestigung sowie das Beseitigen der Zahnfleischtaschen, die Schlupfwinkel für Beläge darstellen.

Durch die Behandlung soll neue Zahnfleischbefestigung gewonnen werden, um bereits gelockerte Zähne wieder zu festigen.

Eine Zahnfleischtasche ist die beste Brutstätte für Bakterien. Parodontitis ist ein Mechanismus des Körpers, über Entzündung den infizierten Zahn loszuwerden. Die bakterielle Infektion führt zur Zersetzung der Zellen des Bindegewebes, die Behandlung der Parodontitis ist also die Eliminierung der bakteriellen Infektion.

Nimmt man die Bakterienbelastung weg, muss das Gewebe reagieren und heilt aus.

Nach der Befunderstellung und dem Besprechen der Ergebnisse mit dem Patienten wird ein provisorischer Behandlungsplan erstellt, danach folgt die sogenannte Initialtherapie.

Nach Abschluss dieser Initialtherapie wird der Fall neu beurteilt und nach dieser neuerlichen Befundaufnahme ein definitiver Behandlungsplan erstellt,

Falls notwendig werden nun chirurgische Eingriffe durchgeführt, danach erfolgt die endgültige Versorgung.

Nach Abschluss der gesamten Behandlung muss diese in regelmäßigen Abständen nachkontrolliert werden, dies bezeichnet man als Erhaltungstherapie.

 

5. Schritte der Paradontalbehandlung

5.1. Untersuchung und Befunderstellung

  • Erheben der Befunde
  • akute Schmerzbehandlung
  • Entfernung nicht erhaltungswürdiger Zähne
  • Prognose und provisorischer Behandlungsplan

5.2. Initialtherapie

  • Information
  • Instruktion zur Mundhygiene
  • Zahnreinigung
  • Füllungspolitur
  • Ernährungsberatung

5.3. Neubeurteilung und definitiver Behandlungsplan

5.4. eventuell Chirurgie

  • Kontrolle der Mundhygiene
  • chirurgischer Eingriff
  • Nachbehandlung

5.5. Endgültige Versorgung

  • Füllungen
  • Kronen, Brücken, Zahnersatz
  • Korrektur der Zahnstellung

5.6. Recall

  • Nachuntersuchung
  • Kontrolle (Röntgen)
  • Zahnreinigung
  • Korrektur der Mundhygiene

 

6. Behandlung in unserer Praxis

Erstbehandlung

  • Befunderstellung
    • Taschenmessung
    • Blutungen eintragen
    • Sekret / Eiter eintragen
    • Zahnlockerungen
    • Rezessionen
  • Befund / Problem erklären
  • Politur und Interdentalpolitur
  • Slim Line Zahnsteinentfernung (falls nur 1 Sitzung nötig)
  • Zahnseide alle Zwischenräume / Superfloss
  • Elmex Gelee oder Fluor Protector
  • Mundhygiene - Instruktion / Hilfsmittel wählen und notieren

Recallsitzungen

  • Befundkontrolle
    • Taschenmessung nach Bedarf
    • Blutungen / Sekret / Eiter
    • Zahnlockerungen / Rezessionen
  • Befund besprechen - Vergleich mit Chronologie
  • Politur und Interdentalpolitur
  • Slim Line Zahnsteinentfernung
  • Zahnseide alle Zwischenräume / Superfloss
  • ev. Zahnersatz reinigen
  • Elmex Gelee oder Fluor Protector
  • ev. Mundhygiene korrigieren / ev. Hilfsmittel ändern und notieren

PARODONTALFALL LEICHT

  • 1. Sitzung: wie Erstbehandlung (Zahnstein grob entfernen)
  • 2. Sitzung: wie Recallsitzung (Zahnstein fein entfernen)
  • 3. Sitzung: Remotivation und Kontrolle

PARODONTALFALL SCHWER

  • 1. Sitzung: wie Erstbehandlung (Zahnstein grob entfernen)
  • 2. Sitzung bis 5. Sitzung
    • Slim Line Reinigung unter Anästhesie
    • Kürettage des Granulationsgewebes pro Quadrant
    • jeweils Politur, Fluorschutz
    • Mundhygiene - Kontrolle
    • ev. Medikamente als Begleittherapie
  • Re - Evaluation
    • Befund - Kontrolle und Besprechung
    • falls nötig - Parodontalchirurgie
    • Remotivation und Kontrolle

SCHWANGERSCHAFTS-PROPHYLAXE

  • falls erforderlich, wie Recall-Sitzung
  • bei guter Mundhygiene
    • Politur und Interdentalpolitur
    • ev. Slim Line Zahnsteinentfernung
    • Zahnseide alle Zwischenräume / Superfloss
    • Elmex Gelee

KINDER-MUNDHYGIENE-MOTIVATION

  • Zahnbeläge anfärben
  • Putztechnik zeigen und üben
  • Flourprophylaxe

 

5. Erhaltung der Zahngesundheit

Das Motto "Vorbeugen ist besser als Heilen" gilt in der Zahnmedizin ebenso wie in allen anderen Gebieten der Medizin.

Als Behandlungserfolg versteht man nicht nur die Herstellung gesunder Verhältnisse, sondern auch die Verhütung weiterer Schäden. Dies hängt sehr wesentlich von der Erhaltungstherapie, dem sogenannten "Recall", ab.

Da mikrobielle Plaque Hauptverursacher von Karies und Parodontose ist, können diese auch nach der Heilung jederzeit wieder auftreten.

Die konsequente Mitarbeit des Patienten ist für die Erhaltung des guten Behandlungsergebnisses maßgebend.

Bei der Erhaltungstherapie wird der Patient in regelmäßigen Abständen von zwei bis sechs Monaten zu einer Kontrolle bestellt. Je nach Notwendigkeit können diese Abstände auch verkürzt oder verlängert werden.

Es ist einfach notwendig, in regelmäßigen Abständen seine Gesundheit überprüfen zu lassen, um eine eventuelle Verschlechterung im Anfangsstadium zu erkennen bzw. dieser vorzubeugen.

Bei jeder Recallsitzung werden die Zähne in Hinblick auf Karies untersucht, der Zahnhalteapparat kontrolliert und die Mundhygiene überprüft. Wenn nötig werden Füllungen nachpoliert, Plaque oder Zahnstein entfernt und der Zahnschmelz fluoriert. Einmal jährlich werden zusätzlich auch Röntgenaufnahmen gemacht.

Die Betreuung des Patienten in der sogenannten Recallsitzung fällt zum größten Teil in den Aufgabenbereich der Zahnärztlichen Assistentin bzw. Dentalhygienikerin. Diese ist bemüht, eventuelle Probleme bei der Zahnpflege zu beseitigen und teilt dem Patienten neue Erkenntnisse mit.

Es ist erstaunlich, wie wenig unangenehme zahnärztliche Behandlung notwendig ist, wenn man die prophylaktischen Maßnahmen eines Recallsystems in Anspruch nimmt.

TOP